Ein Offener Brief an Zeugen Jehovas und die Wachtturm-Gesellschaft

 

Ein Offener Brief an Zeugen Jehovas und die Wachtturm-Gesellschaft (1)

Dieser Brief wurde in entsprechender Form an über 101 Zweigbüros und mehreren
Tausend Versammlungen in den Vereinigten Staaten gesendet.

[Anm. des Übersetzers: Für Leser, die mit dieser Thematik und den damit verbundenen Fachausdrücken
noch nicht vertraut sind, wurden Erläuterungen von mir in einen Fußnotenapparat eingebaut.]


„Ich habe dich zum Metallprüfer unter meinem Volk gemacht,
zu einem, der eine gründliche Suche anstellt;
und du wirst Kenntnis nehmen, und du sollst ihren Weg prüfen.“

- Jeremia 6:27 -

Liebe Brüder,

als Zeugen Jehovas und Diener Christi sind wir hauptsächlich damit bemüht, Gottes Namen zu ehren sowie uns von der Welt unbefleckt zu halten. Aus diesem Grund hat die Wachtturm-Gesellschaft uns stets ermahnt, die Vergehen und Heuchelei der Christenheit bloßzustellen und für die Wahrheit geradezustehen. Aber wie sollen wir uns verhalten, wenn die Wachtturm-Gesellschaft selbst einer folgenschweren Heuchelei schuldig wird? Wie reagieren wir, wenn einige unserer eigenen leitenden Brüder treulos handeln, indem sie den Namen Gottes entehren? Wie sollen sich Zeugen Jehovas in diesem Fall verhalten? Stellen wir dann immer noch religiöse Heuchelei bloß, ganz gleich, wo sie existiert oder bewahren wir Stillschweigen? Dies sind keine hypothetische Fragen, meine Brüder. Es geht um eine Situation, der wir derzeit auf breiter Front gegenüberstehen. Als Zeuge Jehovas habe ich mich entschlossen, jetzt gerade nicht zu schweigen, ganz gleich welche Konsequenzen sich daraus für mich erge-ben.

Kurz zusammengefasst, sehen die Fakten folgendermaßen aus: Es begann damit, dass die Wachtturm-Gesellschaft 1991 einen Antrag einreichte, um von den Vereinten Nationen als NGO aufgenommen zu werden. Aber was genau ist eine NGO? Bei einer NGO (2) handelt es sich um eine offizielle Nichtregierungs-Organisation, welche ihren Einfluss dadurch geltend macht, indem sie die Vereinten Nationen und ihre Ziele fördert. Die Wachtturm-Gesellschaft hat nahezu zehn Jahre lang einen Hehl daraus gemacht, dass sie als eine internationale NGO gedient hat.

Als jedoch die Story im Oktober 2001 in der Londoner Tageszeitung The Guardian veröffentlicht wurde (siehe Anlage) (3), zog die Gesellschaft ihre Mitgliedschaft schleunigst zurück. Nach einer Flut von Anfragen von der Basis gab die Gesellschaft dem Guardian und den Zweigbüros weltweit eine Erklärung ab, in der sie angab, der einzige Grund, eine NGO zu werden, hätte darin bestanden, Zugang zu den Quellen der UNO-Bibliothek zu erlangen. (Brief des Zweigbüros siehe Anhang) (4)

Aber es entspricht einfach nicht der Wahrheit, dass die Gesellschaft eine NGO werden musste, um Zugang zu den Bibliothekseinrichtungen der UNO zu erlangen. Laut der Hauptverwal-tung der Dag Hammarskjöld-Bibliothek (5) konnte jeder qualifizierte Forscher oder Schüler vor dem 11.September [2001] einen befristeten Ausweis erhalten, um die Bibliothekseinrichtungen der UNO nutzen zu können. Erst nach dem Terrorangriff am 11. September 2001 wurde die Sicherheitszone auf das UN-Personal und die bereits zuvor zugelassenen Vertreter der NGO beschränkt. Außerdem verwaltet die UNO auch außerhalb des UN-Geländes etwa 400 auswärtige Bibliotheksstellen weltweit, wo der Öffentlichkeit Informationen über die zahlreichen Büros und Programme der UNO zugänglich sind. Die Behauptung der Gesellschaft hält somit einfach keiner Prüfung stand.

In dem Brief der Wachtturm-Gesellschaft an die Zweigbüros heißt es weiter: „Der Registrie-rungsantrag, so wie er bei den Vereinten Nationen eingereicht wurde und bei uns in den Ak-ten vorliegt, enthielt keine Aussage, die zu unserem christlichen Glauben im Widerspruch wäre.“

Auch dies entspricht offenbar nicht der Wahrheit. Gemäß der DPI (6) (Department of Public Information) (7) der UNO werden Antragssteller sorgfältig ausgewählt und müssen den für die Zulassung üblichen Kriterien entsprechen. Gemäß der Antwort der DPI auf Anfragen von Zeugen Jehovas wurde die Gesellschaft deshalb als NGO zugelassen, weil sie sich bereitwillig einverstanden erklärte, die Vereinten Nationen zu unterstützen. Hier heißt es auszugsweise: „Mit der Zustimmung zur Mitgliedschaft bei der DPI hat die Organisation sich einverstanden erklärt, den Kriterien für ihre Mitgliedschaft zu entsprechen, indem sie die Grundsätze der Charta der Vereinten Nationen stützt und achtet und das Engagement und die Mittel besitzt, bei ihren Mitgliedern sowie einem breiten Publikum Informationsprogramme über UN-Aktivitäten wirkungsvoll durchzuführen.“ (Anbei das Antwortschreiben der UNO: Siehe Internet). (8)

NGOs sind ferner verpflichtet, dem DPI jährlich nachzuweisen, dass sie die Öffentlichkeit tatsächlich über die zahlreichen Programme der UNO informieren. Ist die Gesellschaft dieser Verpflichtung nachgekommen? Ganz bestimmt. Tatsächlich hat sie deshalb relevante Artikel verfasst.

So wurde beispielsweise die Zeitschrift Erwachet! vom 22 November 1998 der Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen am 50. Jahrestag seit ihrer Verabschiedung gewid-met, um diesen zu würdigen. Die UNO führt diesen speziellen Erwachet! (9) sogar auf ihrer Website auf (Siehe auch die Kommentare im Global Policy Forum) (10).

Ein weiteres Beispiel ist der Wachtturm vom 1. Oktober 1995, der einen Artikel enthält, worin der 50. Jahrestag seit Gründung der UNO im Jahr 1945 gelobt wird. Noch ein Beispiel, auf das Ihr hinweisen könnt, ist der Erwachet! vom 8. Dezember 2000, wo auffallend vorteilhaft über eine Einrichtung namens UNICEF gesprochen wird. Untersucht man die Wachtturm-CD-ROM dahingehend, so stellt sich heraus, dass die Zeitschrift Erwachet! während der NGO-Zeit von 1992-2001 mehr Bezugnahmen auf die Vereinten Nationen als auf Gottes Königreich enthält. Zwar sind die zahlreichen Hinweise darauf nicht unbedingt der Rede wert, aber die vorrangige Verpflichtung der Wachtturm-Gesellschaft als offizielle NGO erforderte ja lediglich, Informationen zu verbreiten – ganz gleich, wie interessant oder uninteressant sie sein mögen.

Es ist somit offensichtlich, dass die Wachtturm-Gesellschaft unterschwellig, aber bewusst bemüht war, „...für ein breites Publikum wirkungsvolle Informationsprogramme über UN-Aktivitäten durchzuführen“, wie dies von allen anerkannten NGOs verlangt wird. Wäre sie dieser Verpflichtung nicht nachgekommen, wäre die Gesellschaft zweifellos von der Beibehaltung des NGO-Status disqualifiziert worden.

Hinzu kommt noch, dass der Wachtturm-Gesellschaft sehr wohl bewusst war, dass andere Institutionen sie als aktiv handelnde NGO anerkannt hatten. Woher wissen wir das? Im Oktober 2000 war die Wachtturm-Gesellschaft Teilnehmerin einer Veranstaltung mit dem Motto „Vilnius International Forum on the Holocaust“. Die Gesellschaft wird zusammen mit zahl-reichen anderen internationalen NGOs im Programm aufgeführt. Bruder James Pellechia erschien als Vertreter der Wachtturm-Gesellschaft vor diesem Forum (Link zum Vilnius-Forum: Nach dem Herunterscrollen ist die WTG ganz unten aufgeführt). (11)

Des Weiteren hatte die australische Regierung im Oktober 1999 offenbar eine Kommission einberufen, um die Zusammenarbeit zwischen der Regierung und den NGOs zu fördern. Zwei Funktionäre der Wachtturm-Gesellschaft sowie weitere NGO-Vertreter jüdischen, muslimi-schen und orthodoxen Glaubens waren beim „Gemeinsamen Ständigen Ausschuss für auswär-tige Angelegenheiten“ (12) zugegen.

In dem Brief der Gesellschaft an die Zweigbüros heißt es jedoch: „Dennoch enthalten die Kriterien für die Assoziierung als NGO – zumindest in ihrer jüngsten Version – Formulierungen, denen wir uns nicht anschließen können. Als wir darauf aufmerksam gemacht wurden, haben wir die Registrierung sofort zurückgezogen. Wir haben es sehr geschätzt, dass wir über diesen Sachverhalt informiert worden sind.“

Da jedoch die Gesellschaft sowohl dem Holocaust-Forum in Vilnius als auch der australi-schen Kommission als internationale NGO beiwohnte und die Brüder sich außerdem jährlich neu registrierten sowie bei der DPI Arbeitsproben einreichten, und zwar schon lange bevor [sie] darauf aufmerksam gemacht wurden“, kann man nicht anders schlussfolgern, als dass die Aussage des Bethels gegenüber den Zweigbüros eine glatte Lüge war.

Die verantwortlichen Brüder mussten schon die ganze Zeit genau gewusst haben, was von NGOs verlangt wird. Ihnen war daher sehr daran gelegen, die Bedingungen der Vereinten Nationen zu erfüllen. Offensichtlich haben sie ihre Registrierung in dem Moment zurückgezogen und diese Lügen ersonnen, als sie durch den Zeitungsartikel im Guardian ertappt wurden. Wenn nun auch das Verhältnis zur NGO aufgelöst ist - es bleibt dennoch eine Lüge.

Manche Brüder mögen gerne die NGO-Affaire der Gesellschaft einfach als unbedeutend abtun. Wir tun jedoch gut, uns daran zu erinnern, welche Haltung die Zeugen Jehovas in Malawi damals in den 1970er Jahren in Bezug auf die Lauterkeit einnahmen. Wie Ihr Euch erinnert, hatte die Regierung von Malawi von allen Bürgern verlangt, eine Parteimitgliedskarte für 25 Cent zu erwerben. Zeugen Jehovas haben sich jedoch standhaft geweigert, da sie darin einen Kompromiss ihrer politischen Neutralität sahen. Infolgedessen hob Präsident Banda ihre Zivilrechte auf, woraufhin zahlreiche Brüder und Schwestern brutalen Angriffen ausgesetzt wurden und viele dabei ihr Leben verloren. Brüder verloren ihre Arbeitsplätze, Geschäfte und Häuser. Unsere Schwestern wurden von Banden vergewaltigt. Die meisten Freunde mussten das Land verlassen und in Flüchtlingslagern leben. Bis heute sind alle Zeugen Jehovas immer noch von ihrer kompromisslosen Haltung für Jehovas Königreich angetan.

Andererseits wiederum hat die Wachtturm-Gesellschaft sowohl Jehova als auch alle Zeugen Jehovas getäuscht. Sie waren nicht einmal einer Bedrohung ausgesetzt wie unsere malawi-schen Brüder, und doch setzten sie alles daran, um ein Abkommen mit den Vereinten Nationen zu unterzeichnen. Sie versicherten ihre Unterstützung und Zusammenarbeit einem Büro, das wir eigentlich als eine Fälschung des Königreiches Gottes zu betrachten haben. Das ist aber noch nicht alles. Das Bethel hat Millionen von ahnungslosen Verkündigern und Pionie-ren getäuscht, indem sie durch sie die Propaganda der Vereinten Nationen in der Öffentlichkeit hat verbreiten lassen. Somit wurde in Gottes Augen die gesamte Organisation einem Kompromiss geopfert. Dabei handelt es sich nicht bloß um leichtfertige Anschuldigungen von Gegnern, wie die Gesellschaft behauptet.

Die Frage lautet nun: Wie denkt Gott über die gegenwärtige Situation mit Hinblick auf die Tatsache, dass das alte Israel und Juda kompromissbereit Beziehungen mit den umliegenden Nationen eingingen? Lehrt uns die Gesellschaft nicht selbst, dass Jehova die Organisation damals in den Jahren 1918-19 wegen einigen Entgleisungen und Kompromissen zurechtgewiesen hat? Doch die NGO-Affaire der Gesellschaft mit ihrer arglistigen Verschleierung dessen ist noch viel bedauerlicher, als die verhältnismäßig belanglosen Kompromisse in der Vergangenheit. Warum sollten wir annehmen, dass Jehova gerade jetzt einfach über die Treulosigkeit hinwegsieht? Wir wissen zwar, dass Jehova gütig und barmherzig ist, aber grundsätzlich heißt es doch im [mosaischen] Gesetz: „doch keinesfalls wird er Straffreiheit gewähren“.

Vielleicht beschreiben ja die Worte Jehovas durch Jeremia genau unseren gegenwärtigen geis-tigen Zustand: „Sogar der Storch am Himmel — er kennt seine bestimmten Zeiten wohl; und die Turteltaube und der Mauersegler und die Drossel — sie halten die Zeit der An-kunft eines jeden gut ein. Was aber mein Volk betrifft, sie haben das Gericht Jehovas nicht erkannt.“

Das eigentliche Problem besteht darin, dass wir irrtümlich annehmen, Christus hätte das Gericht beim Haus Gottes damals im Jahr 1918 begonnen. Demnach können wir gar keine künftige Tempelbesichtigung mehr erwarten, da durch diesen Fehlschluss nun die gültige biblische Grundlage dafür fehlt. Wenn wir uns jedoch den Jahrestext für 2004 anschauen, dann stellen wir fest, dass Christus seine gesalbten Sklaven aufforderte, wegen der mit einem Dieb vergleichbaren plötzlichen Ankunft „beharrlich zu wachen“; offensichtlich ist dies also der Zeit-punkt, an dem das Gericht Gottes beim Haus der gesalbten Sklaven stattfindet. Daher ist es auch vernünftig, anzunehmen, dass auch dies der Zeitpunkt ist, an dem er „ihn über seine ganze Habe setzen wird.“

Das bedeutet also, dass außer dem treuen Sklaven auch noch ein übelgesinnter Sklave immer noch Gewalt innerhalb des gesalbten Hauses Gottes ausübt. Ganz bestimmt ist daher der Ein-fluss eines untreuen Sklaven innerhalb des Bethels die einzige vernünftige Erklärung für die verwerfliche Treulosigkeit der Gesellschaft in der NGO-Affaire. Angesichts des Vorstehenden sollten wir Jeremia 5:26 auf die heutige Situation anwenden. Dort heißt es: „Denn unter meinem Volk sind böse Menschen gefunden worden. Sie spähen beständig, wie wenn sich Vogelsteller ducken. Sie haben eine verderbliche [Falle] gestellt. Menschen sind es, die sie fangen.“

Da wir also blind waren, überrascht es nicht, wenn Jehova die etwas Unbehagen bereitende Frage im 42. Kapitel Jesajas stellt, indem er zu seinen Zeugen spricht: „Wer ist blind, wenn nicht mein Knecht, und wer ist taub wie mein Bote, den ich sende? Wer ist blind wie der Belohnte oder blind wie der Knecht Jehovas? Es gab viele Dinge zu sehen, aber ständig gabst du nicht acht. Da war Anlaß, die Ohren zu öffnen, aber fortwährend hörtest du nicht zu.“

Jehova gebietet seinem Wächter: „Rufe aus voller Kehle; halte nicht zurück! Erhebe deine Stimme so wie ein Horn, und teil meinem Volk seine Auflehnung mit und dem Hause Jakob seine Sünden.“

Ironischerweise heißt es im Jesaja-Kommentar (13) der Wachtturm-Gesellschaft zu diesem Vers: „Welch ein vorzügliches Beispiel des Ausharrens Jesaja doch Jehovas neuzeitlichen Zeugen gibt, die ebenfalls beauftragt sind, Gottes Wort zu predigen und religiöse Heuchelei aufzudecken!“ Wenn aber Jehova Jesaja doch beauftragte, die Sünden derjenigen aufzudecken, die Jehova als „mein Volk“ bezeichnete, warum sollten wir dann annehmen, dass dies nur auf die Christenheit und nicht auf unser eigenes Haus zutrifft?

Wir prangern zwar unermüdlich die Heuchelei der Christenheit an, aber sollten wir nicht umso unermüdlicher religiöse Heuchelei unter Zeugen Jehovas aufdecken in dem Bewusstsein, dass wir Jehova Gott vertreten? Alles andere wäre bloße Heuchelei unsererseits.

Zahlreiche Zeugen Jehovas wurden bereits in dieser Sache durch die Gesellschaft zum Straucheln gebracht. Manche Älteste, die von der Situation über die NGO erfuhren, haben missmutig ihr Amt niedergelegt. Verkündiger, die über die Angelegenheit beunruhigt sind und mit anderen Brüdern und Schwestern in der Versammlung über den Skandal sprachen, mussten feststellen, wie sie auf einmal selbst von argwöhnischen Ältesten der Abtrünnigkeit angeklagt wurden. Indem Älteste Zeugen Jehovas möglicherweise zu Unrecht deshalb aus der Versammlung ausgeschlossen haben, weil sie die Wahrheit über die Heuchelei der Gesellschaft ausgesprochen haben, hat die Gesellschaft die Ältesten in eine peinliche Situation gebracht. Wie tragisch!

Angesichts der beunruhigenden Situation und der Schmach, die bereits zweifellos auf den Namen Gottes gebracht wurde, bitte ich Euch eindringlich, Euch dieser Angelegenheit ohne Zögern anzunehmen. Seid Euch gewiss, dass die Wahrheit schließlich ohnehin ans Licht kommt, ganz gleich, auf welche Weise (Pr 12:14). Ich bitte Euch daher als Aufseher und Mitzeugen inständig, persönlich für Wahrheit und Gerechtigkeit geradezustehen. Ich vertraue darauf, dass Ihr das Rechte tun werdet und diesen Sachverhalt mit Euren örtlichen Ältesten-schaften, Kreis- und Bezirksaufsehern erörtern werdet.

Mit freundlichen Grüßen, ein Zeuge Jehovas

Unterschrift: Name im Original-Brief enthalten

Dies ist Teil einer weltweiten Kampagne. Weitere Informationen unter www.e-watchman.com und www.e-watchman.be


Anhang

Folgender Anhang ist nicht Teil des Original-Briefs:

Die Verfolgungen von Zeugen Jehovas in der ehemaligen Sowjetunion von Georgien sind weithin bekannt. In dem Bemühen, der Situation abzuhelfen und gesetzlich anerkannt zu werden, hatte die Gesellschaft 1998 zwei Gemeinschaften eintragen lassen: die Union der Zeugen Jehovas und die Vertretung der Watch Tower Society in Pennsylvania. Die Regierung von Georgien versagt jedoch offenbar allen religiösen Organisationen die Aufnahme. Die Gesellschaft ließ daher beide Gemeinschaften als NGO registrieren.

Daraufhin hat der Oberste Gerichtshof von Georgien die Registrierung der Union der Zeugen Jehovas und der Vertretung der Watch Tower Society in Pennsylvania im Februar 2001 widerrufen. Im Folgenden handelt es sich um ein Zitat von der Website [http://www.ecoi.net/doc/de/GE/content/5/2277-2319]:

„Seit kurzem steigt die Spannung im religiösen Sektor, und zwar hauptsächlich verur-sacht von einem Teil der christlich-orthodoxen Gläubigen, die sich gegen Zeugen Jeho-vas richten. Am 22. Februar 2001 kam das Oberste Gericht von Georgien nach langwie-rigen Untersuchungen bei den örtlichen Gerichten sowie Bezirksgerichten den Forde-rungen des Abgeordneten Guram Sharadze vom georgischen Parlament nach, die von Zeugen Jehovas erwirkte Eintragung zweier NGOs (der Union der Zeugen Jehovas und der Vertretung der Watch Tower Bible and Tract Society in Pennsylvania) für ungültig zu erklären. 1998 wurden sie vom Bezirksgericht Isan von Tiflis eingetragen. Dabei muss erwähnt werden, dass sie deshalb als NGO eingetragen wurden, weil sie aufgrund fehlender gesetzlicher Grundlage in Bezug auf religiöse Organisationen nur auf diese Weise eine juristische Person werden konnten. Der Abgeordnete Sharadze ist davon überzeugt, dass man religiöse Gemeinschaften nicht als NGO eintragen sollte.“

An diesem Punkt wird die Angelegenheit allerdings ein wenig schwammig: Nach Einspruch gegen die Entscheidung des Gerichts existiert nun auch eine Akte mit dem Inhalt, dass die Gesellschaft aus grundsätzlichen Erwägungen heraus keinen Eintrag als NGO wünscht. Es folgt ein Zitat aus der Website der OSZE (14), die über die Situation in Georgien berichtet: „Die Beschränkung auf religiöse Freiheit liegt der Entscheidung des Obersten Gerichts von Geor-gien vom 22. Februar 2001 zugrunde, nach der die Eintragung der Union der Zeugen Jeho-vas und der Vertretung der Watch Tower Bible and Tract Society in Pennsylvania, USA, wi-derrufen wurde. Aufgrund fehlender gesetzlicher Grundlage in Bezug auf Eintragungen von religiösen Gruppen konnten ZJ nicht amtlich eingetragen werden. Aus grundsätzlichen Erwä-gungen heraus haben ZJ schließlich den Eintrag als NGO abgelehnt.“

Offenbar hat sich die Gesellschaft zwar ursprünglich als NGO eintragen lassen, hat jedoch im Berufungsverfahren einen erneuten Eintrag abgelehnt – und zwar „aus grundsätzlichen Er-wägungen heraus“.

Interessanterweise lautet die Aussage der Gesellschaft in ihrer Berufungsschrift (15), Punkt 2, Absatz 3: „Zudem ist die Watch Tower Bible and Tract Society of Pennsylvania, außer dass sie vom Büro der Vereinten Nationen zur Koordinierung der humanitären Hilfe amtlich aner-kannt ist,...“

Man beachte, dass es sich auch hier um eines der zahlreichen Büros der Vereinten Nationen handelt. (16) Dass die Gesellschaft durch die OCHA (17) „amtlich anerkannt“ ist, ist zweifellos in großem Maße darauf zurückzuführen, dass sie als NGO für Menschenrechte eingetragen war.

Eines sollte jedoch klar sein: Die Gesellschaft war viel tiefer als NGO verwickelt, als ledig-lich Gebrauch von den Bibliothekseinrichtungen der UNO zu machen.

Es folgt in Kürze eine weitere Übersetzung einer aktualisierten Information vom 28. März 2004, (Siehe http://e-watchman.com/commentaries/open-letter-to-jehovahs-witnesses-and-watchtower.html)


(1) Quelle: http://e-watchman.com/commentaries/open-letter-to-jehovahs-witnesses-and-watchtower.html oder
http://www.e-watchman.be/commentaren/2004_12_20_maart.html. Diese Internetseite enthält den gleichen Brief auch in Italienisch, Niederländisch, Schwedisch und Spanisch.

(2) NGO = Non-Governmental Organization (nichtstaatliche Organisation oder wörtlich: Nichtregierungs-Organisation, im weiteren Text: „NGO“).

(3) http://www.guardian.co.uk/religion/Story/0,2763,574175,00.html

(4) http://home.comcast.net/%7esonofcomfort/wsb/html/view.cgi-photo.html--SiteID-1379248.html

(5) http://home.comcast.net/%7esonofcomfort/wsb/html/view.cgi-photo.html--SiteID-1394643.html

(6) DPI =Department of Public Information (Hauptabteilung Presse und Information der Vereinten Nationen der UN, im weiteren Text: „DPI“). Diese Abteilung ist die Vermittlerin zwischen der NGO und der UNO.

(7) http://www.un.org/dpi/ngosection/criteria.html

(8) http://www.un.org/dpi/ngosection/ngo-docs.html

(9) http://www.unhchr.ch/udhr/materials/articles.htm

(10) http://www.un.org/dpi/ngosection/ngo-docs.html

(11) http://www.vilniusforum.lt/participants/international.htm

(12) Joint Standing Committee of Foreign Affairs unter http://www.aph.gov.au/hansard/joint/commttee/j2444.pdf

(13) Die Prophezeiung Jesajas – Licht für alle Menschen, hrsg. von der Wachtturm-Gesellschaft 2000, Band 2, S. 277.

(14) Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa. Siehe auch unter der Website: http://www.reliefweb.int/w/rwb.nsf/0/e70a22e0ee5f7dcfc1256aca00405d05?OpenDocument

(15) http://www.jw-media.org/region/europe/georgia/english/legal_cases/e_000724.htm

(16) http://www.reliefweb.int/ocha_ol/

(17) OCHA = Coordination Department for International Humanitarian Aid (Büro der Vereinten Nationen zur Koordinierung der humanitären Hilfe).


Gepubliceerd op: 20 Maart 2004